
Stint-Saison startet: Jetzt knusprigen Frühlingsfisch genießen

Stint-Saison in Lauenburg: Wenn der Frühling nach Gurke duftet
Der Wind trägt eine Ahnung von Salz über die Ufer. Die Jacke bleibt offen. Die Sonne blinzelt über der Elbe. Und plötzlich weißt du: Jetzt ist wieder diese Zeit. Die Zeit, in der es in den Küchen zischt, in den Pfannen knistert – und in den Gasträumen ein kleiner, silbriger Fisch die große Bühne betritt.
Der Stint. Kaum größer als ein Finger. Schlank. Silberglänzend. Und mit einem Duft, der Kenner sofort lächeln lässt: ein Hauch von Gurke. Kein Witz. Wer einmal frisch gefangenen Stint in der Hand hatte, weiß, wovon die Rede ist.
In Städten wie Hamburg, Lüneburg und natürlich auch Lauenburg gehört er zum Frühling wie das erste Eis an der Ecke. Zwischen Februar und April zieht der kleine Wanderer aus der Ostsee die Flüsse hinauf, um zu laichen. Und genau dann schlägt seine Stunde auf der Speisekarte.
Man könnte sagen: Der Stint ist der Hering mit Understatement. Kein Rockstar wie der Lachs. Kein Kraftpaket wie der Thunfisch. Sondern eher der Indie-Musiker unter den Fischen. Klein, aber mit Charakter.

Infografik: Stint (Osmerus eperlanus) in der Elbe vor Lauenburg
Kleine Fische, große Tradition
Schon im Mittelalter war der Stint in Norddeutschland ein Star. In Lüneburg schwärmte man so sehr für ihn, dass er zeitweise als „Brotfisch“ galt – günstig, nahrhaft, immer da. Fischer warfen ihre Netze aus, Kinder halfen beim Sortieren, und in den Gassen roch es nach frischem Fang.
Heute? Da hat sich der Stint vom Arme-Leute-Essen zum saisonalen Sehnsuchtsgericht gemausert. Kaum kündigt sich der erste milde Tag an, schreiben Restaurants mit Kreide auf ihre Tafeln: „Frischer Stint – nur für kurze Zeit!“
Und du weißt: Jetzt oder nie.
Knuspern mit Knochen – und Mut
Wer zum ersten Mal Stint bestellt, schaut manchmal irritiert auf den Teller. Ganze Fische. Mit Kopf. Mit Schwanz. Mit allem. Filetieren? Fehlanzeige.
Aber keine Sorge. Der Stint will im Ganzen gegessen werden. In Mehl gewendet. In Butter oder Öl goldbraun gebraten. Außen knusprig. Innen zart. Die Gräten? So fein, dass man sie mitisst. Ein bisschen wie bei Sardinen – nur nordischer.
Dazu gibt es meist Bratkartoffeln. Oder Kartoffelsalat. Vielleicht ein Klecks Remoulade. Ein grüner Salat für das gute Gewissen. Und ein kühles Bier für die Seele.
Man sitzt im besten Fall schon draußen. Die Sonne wärmt. Das Besteck klappert. Und irgendwo ruft jemand: „Noch ’ne Portion!“

Frischer Stint auf dem Teller in Lauenburg/Elbe.
Wo der Stint jetzt auf den Tisch kommt
Entlang der Elbe, in kleinen Hafenstädten und gemütlichen Landgasthöfen beginnt jetzt die Hochsaison. Viele Restaurants in Geesthacht, Lauenburg/Elbe oder rund um Hamburg setzen den Frühlingsfisch auf die Karte.
Manche bieten ihn klassisch an. Andere wagen Variationen: Stint im Bierteig. Stint auf lauwarmem Kartoffelsalat mit Senfdressing. Stint als Vorspeise mit Gurkenrelish – eine kleine Hommage an seinen Duft.
Und ja, es gibt auch die Puristen. Die sagen: Butter. Mehl. Salz. Mehr braucht es nicht.
Wer jetzt reserviert, macht alles richtig. Denn die Saison ist kurz. Der Stint bleibt kein Sommergast. Er ist ein flüchtiger Frühjahrsflirt.
Drei Gründe, warum du jetzt Stint essen solltest
1. Weil Tradition knuspert
Du beißt hinein – und beißt gleichzeitig in Geschichte. In Fischerhandwerk. In norddeutsche Küchenkultur. In Generationen von Frühlingen.
2. Weil Mut belohnt wird
Ja, der Kopf schaut dich an. Na und? Wer sich traut, entdeckt ein Aroma, das irgendwo zwischen zartem Weißfisch und einem Hauch Meer liegt. Fein. Unaufdringlich. Ehrlich.
3. Weil es ein Ritual ist
Freunde anrufen. Tisch reservieren. Draußen sitzen. Sich die Finger leicht fettig machen. Lachen. Vielleicht ein bisschen übertreiben: „Der beste Stint des Jahres!“ – obwohl die Saison gerade erst begonnen hat.
Aber genau darum geht’s doch.
Warum wir ihn jedes Jahr neu feiern
Vielleicht liegt es an seiner Vergänglichkeit. Vielleicht daran, dass er uns zwingt, im Moment zu leben. Es gibt keinen Tiefkühl-Stint mit Seele. Kein Ganzjahres-Angebot mit echtem Charme.
Der Stint sagt: „Jetzt.“ Nicht morgen. Nicht irgendwann.
In einer Welt, in der Erdbeeren im Dezember und Spargel im Oktober möglich sind, wirkt der Stint fast wie ein Anachronismus. Und genau das macht ihn so sympathisch.
Er erinnert uns daran, dass Genuss auch Geduld braucht. Dass Vorfreude schmeckt. Und dass Saison mehr ist als ein Marketingwort.

Stint in der Elbe vor Lauenburg
Ein kleiner Fisch mit großer Wirkung
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Manchmal sind es die unscheinbaren Dinge, die uns am meisten berühren. Ein lauer Abend. Ein Tisch am Fluss. Ein Teller voller kleiner Fische.
Die Stint-Saison hat begonnen. Und sie dauert nicht ewig.
Also geh raus. Such dir ein Restaurant mit Kreidetafel und Frühlingslaune. Bestell den kleinen Silberling. Und wenn dich jemand fragt, warum du dich so freust, sag einfach:
„Weil man manche Dinge nicht verschieben sollte.“
Der Stint wäre ganz deiner Meinung.
